Barbara Bohnen siegt beim Poetry Slam
Tobias Jung belegt den dritten Platz
Im Rahmen eines schulübergreifenden Literaturprojekts mit dem Titel "Mund auf!" hat der Verein Selbstredend die erste Poetry-Slam-Stadtmeisterschaft in Trier für Unter-Zwanzigjährige veranstaltet. Beim Finale in der Tufa trugen zehn Jugendliche selbst geschriebene Texte vor. Barbara Bohnen (15) vom Friedrich-Spee-Gymnasium Trier gewann mit "Könnte ich die Welt verändern..."
Nur selbst verfasste Texte und ein Mikrofon sind die Mittel, mit denen sich Eva Scholtes, Alex Reiff, Matthias Rahner, Maria Hansen, Alex Gärtig, Winnie Riekehr, Tobi Jung, Sascha Hänsli, Barbara Bohnen und Moritz Gutheil für je fünf Minuten auf der Bühne der Tufa Trier präsentieren können. Doch das reicht für einen Abend bester Unterhaltung, denn die literarischen Erzeugnisse der mindestens 14-jährigen Schüler von Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Schweich, Cusanus-Gymnasium Wittlich, St.-Willibrord-Gymnasium Bitburg sowie Auguste-Victoria- und Friedrich-Spee-Gymnasium Trier (FSG) glänzen durch Vielfalt und Originalität.
In teils nachdenklichen, philosophischen, satirischen oder einfach nur witzigen Gedichten und Prosatexten geht es um sabbernde Kater, den Sinn des Lebens, Mathematisches zum Tod durch Zigaretten oder den Höhlenmenschen in dir und mir.
Entstanden sind sie in einem Workshop-Projekt, das der vor zwei Jahren gegründete und der Tufa Trier angeschlossene Verein zur Förderung junger Literatur "Selbstredend e.V" unter Vermittlung der "Kunstfähre", der Kulturagentur der Tufa, realisiert hat. Seit September 2009 haben seine Vorsitzenden Elisabeth Jaspersen und Dorian Steinhoff an den oben genannten Gymnasien sowie an der Kurfürst-Balduin-Hauptschule Trier in AGs und Unterrichtsstunden die Grundlagen kreativen Schreibens vermittelt. Außerdem haben sie den 79 beteiligten Schülern im Durchschnittsalter von 14 Jahren Poetry-Slam als Möglichkeit nahegebracht, literarisches Talent zu entdecken, zu entfalten und anzuwenden.
Praktische Erprobung war die erste U-20-Stadtmeisterschaft Triers zum Abschluss. Barbara Bohnen (15) vom FSG Trier ist unter den zehn je schulintern ermittelten Finalisten zur Siegerin und damit Teilnehmerin an den 14. Deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften im November 2010 gekürt worden. Fünfmal Höchstpunktzahl gab ihr die Publikumsjury für den poetischen, tiefsinnig-heiteren Text "Könnte ich die Welt verändern..." mit Passagen wie "... dann würde das blinde Huhn das Korn finden" oder "... dann hätte Romeo Julia geheiratet". Barbaras Erfolg hat eine Zielvorstellung des Vereins Selbstredend erfüllt, neue Talente zu erwecken. Denn die glückliche U-20-Stadtmeisterin gesteht, dass sie ihren Text nie geschrieben hätte, wäre das nicht Workshop-Hausaufgabe gewesen. Auf dem zweiten Platz landete Sascha Hänsli vom Gymnasium in Bitburg, auf dem dritten Tobi Jung, ebenfalls vom FSG.
Hintergrund: Poetry Slam (Dichterwettstreit) ist eine 1986 in Chicago entstandene literarische Wettbewerbsform, die sich seit den 1990ern weltweit etabliert hat. Ohne Einsatz von Kostümen oder anderen Hilfsmitteln werden selbst geschriebene Texte aller Gattungen innerhalb begrenzter Zeit vor Publikum vorgetragen und von diesem mit Punkten bewertet.
Beitrag aus dem Trierischen Volksfreund vom 21.6.2010